Futopolis

Aus hyperdramatik
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Was passiert, wenn die Arbeiterinnen gegen ihre Bosse aufbegehren? Welche Preise sind für Wohnraum angemessen? Und wer sollte über sie bestimmen? Wie können Generationen voneinander profitieren und sich gegenseitig in Verantwortung nehmen – ohne einander zu überfordern? Kann es ein kollektives Handeln geben, das an alle denkt? Oder ist es in Ordnung, das zu tun, was das Beste für uns persönlich ist?

Bat, 2019

FUTOPOLIS ist ein multimediales, partizipatives Spiel für 30 bis 60 Spielerinnen, die die Rollen verschiedener Akteur*innen einnehmen. Szenarien werden auf spielerische Art und Weise und durch Technologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und computergestützte Datenübertragung diskutiert. FUTOPOLIS eröffnet Handlungsspielräume und lässt verschiedene Strategien im sozialen Handeln zu. Die Simulation hilft dabei, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und zu überdenken und stellt Fragen nach individueller und gesellschaftlicher Macht und Verantwortung.


Hintergrund/Idee

„Reichtum, Macht und Möglichkeiten sind in unserer Gesellschaft ungleich verteilt. Manche haben nichts und anderen ist alles egal. Was passiert, wenn Shurup-Juice nicht mehr ausreicht, um die Unzufriedenen ruhig zu stellen?“

Im Rahmen des Futurologischen Kongresses am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg haben Jugendliche Graffitis gesammelt und aus ihnen die Zukunft gedeutet. Während das Menetekel danach fragt, was passiert, wenn die Unzufriedenen nicht mehr ruhig zu stellen sind, zeichneten die Jugendlichen in parallel entstandenen Zukunftsbildern überwiegend ein dystopisches Szenario: Sie leben in prekären Verhältnissen, verfügen über keinerlei Handlungsfähigkeit und entwickeln keine Visionen für Veränderungen. Ein Phänomen das der Kulturwissenschaftler Mark Fisher in seinem Buch „Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?“ behandelt. Als Kapitalistischer Realismus versteht er das „weitverbreitete Gefühl, dass der Kapitalismus nicht nur das einzig gültige politische und ökonomische System darstellt, sondern dass es mittlerweile fast unmöglich geworden ist, sich eine kohärente Alternative dazu überhaupt vorzustellen.“ Die Jugendlichen in diesem Projekt - im Gegensatz zu den Jugendlichen, die sich bei Friday for Future engagieren - haben offensichtlich nicht den Eindruck, dass sie die Möglichkeit haben ihre Zukunft und die Gesellschaft, in der sie leben, mitzugestalten. Daher stellen wir mit FUTOPOLIS sowohl die Frage danach, wer zu den Verteilenden gehört, also auch danach wie sich die Verteilung gestaltet.


"102Boyz&Girlz", Next Level - Festival for Games, 2019 (Foto: Max Höller)

Spielsituation

Mit FUTOPOLIS wurde eine partizipative Spielanordnung entwickelt, die gesellschaftliche Strukturen abbildet und dadurch die Möglichkeit gibt, Handlungsräume verschiedener Akteure zu untersuchen sowie die Mechanismen des Zusammenspiels in der Gesellschaft zu verstehen und zu verändern.

Akteure

Zu Beginn jeder Spielphase werden die Teilnehmenden in sieben verschiedene Gruppen von Akteuren aufgeteilt, die gemeinsam das Funktionieren der Gesellschaft bestimmen. Die Regierungkümmert sich um Ressourcen und Wohnraum. In den zwei Fabriken wird „Shurup“ produziert, das wichtigste Gut mit dem gehandelt werden kann. In der Schulewird Wissen generiert, der Kiosk stillt die Bedürfnisse der Mitstreiter*innen und die Presse dokumentiert die Entwicklungen. Auch die 102 Boyz*Girlz sind in das Geschehen verwickelt, wie hängt von den Spielenden ab.

Ziel

iel ist es den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben anhand ihrer eigenen Wissensbestände sowohl die Verteilung von Macht als auch verschiedene Formen von Gerechtigkeit (neu) zu verhandeln.

Zahlen und Fakten

Capture: Visualisierung der Verteilung mit Unity

30-60 Spielende. 4 Computer. 2 Tablets. 6 VR-Brillen. 1 Fließband. 3 Arduinos. 8 Led-Buttons. 200 Zuckerwürfel. 7 Zeitungsartikel. 2 betreuende Performerinnen. Spieldauer ca. 60 Minuten mit Einlasssituation. Das Spiel entwickelt sich mit jeder Phase weiter und kann sich von Tag zu Tag ändern. Die Anzahl der Spielphasen ist variabel.

Ablauf

Nach Verteilung der Rollen und einer kurzen Einführungszeit, beginnt die eigentliche Spielphase. Die Veränderungen und Entwicklungen werden in einer Simulation auf einem großen Monitor sowie auf unterschiedliche Weise in AR- und VR-Devices abgebildet. Nach Ablauf der Zeit halten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen und Hinweise für die kommende Generation von Spielenden fest. Die nächste Gruppe spielt an exakt derselben Stelle weiter, an der zuletzt aufgehört wurde. So entsteht eine Art generative Weitergabe der Zustände und Schwierigkeiten, aber auch der Erfahrungen und Wissensbestände

Technische Voraussetzungen

Capture: Visualisierung der Verteilung mit Unity

Mindestens 100qm Spielfläche (wenn möglich mit einem Tresen). Ausreichend Stromanschlüsse für mindestens 4 Computer und Monitore. PA-Anlage + 1 Kabelmikrofon. Ggf. 11 Tische (genaue Anzahl abhängig von der Größe) und 18 Hocker.

Die Macherinnen

FUTOPOLIS (ursprünglicher Titel MEK KING KRB!) ist eine Produktion von VeraVoegelin (Leoni Voegelin und Anna Vera Kelle), entstanden 2019 im Rahmen des Masterstudiengangs Spiel und Objekt an der “HfS Ernst Busch” Berlin in Kooperation mit dem Graffitimuseum Berlin, dem Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und mit Unterstützung des NRW KULTURsekretariat.

Links

Projektseite: https://veravoegelin.hotglue.me/FUTOPOLIS

Trailer: https://vimeo.com/391216387

Trailer NLF for Games: https://www.youtube.com/watch?v=pyZsB807xRo&t=92s

Trailer Futorologischer Kongress Hamburg: https://player.vimeo.com/video/357322905